Mittwoch, 19.12.2018 08:20 Uhr

NH-90 – Der NATO-Helikopter

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 12.08.2018, 00:02 Uhr
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NH-90 NATO-Helikopter in Niederstetten
NH-90 NATO-Helikopter in Niederstetten  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Kummer ist die Bundeswehr mit neuen Gerätschaften bereits gewohnt. So sind derzeit nur acht Maschinen von gesamt neunzehn A400M-Transportern einsatzbereit. Und eine ständige Pannenserie begleitet den Helikopter NH-90 seit nunmehr weit mehr als zehn Jahren.

Der NH-90 wurde als leichter allwetter- und nachtflugtauglicher Mehrzweckhubschrauber für Heer und Marine konzipiert, speziell als Nachfolger der in die Jahre gekommenen aber bewährten Bell UH-1D. Erste Gedanken daran reichen in die 80er Jahre zurück. Mit Gründung der Firma *NH-Industries*, einem Verbund der Hubschrauberhersteller *EADS Eurocopter*, *Agusta Westland* und *Stork Fokker* konnte nun ein gemeinsames Vorgehen und Konzept anlaufen.

Zahlreiche Varianten für bestmöglichen Absatz

Neben den Herstellern aus den Ländern Frankreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden folgten im Jahr 2001 noch Portugal und später in 2007 Belgien. Jahre zuvor, genauer gesagt am 18.12.1995 war bereits der erste Prototyp in der Luft. Der fünfte und letzte Prototyp in der Version für die Marine startete seinen Jungfernflug im Dezember 1999. Schwierigkeiten in der Produktion verzögerten die Auslieferung der ersten Serienmaschine bis zum Jahr 2004. Dabei ist das Ziel, den Bedarf und Auftrag an 529 Bestellungen in 23 Typ-Varianten für mehr als ein Dutzend Kunden weltweit abzuwickeln.

Nachdem sich die Auslieferung der ersten Maschinen bereits um Jahre verzögerte, steigen die Auslieferungszahlen inzwischen stetig an. 28 Maschinen noch im Jahr 2010, konnte im Juni 2014 der 200ste Hubschrauber ausgeliefert werden. Einsätze für Heer und Marine der Kundenländer führten zu operativen Flügen vor der Küste Somalias auf einer niederländischen Fregatte aber auch zu Einsatzflügen in Afghanistan und Mali durch die Länder Italien, Deutschland und Frankreich.

Vielzahl an unerwarteter Mängel

Durch die operativen Einsätze der NH-90 zeigten sich unerwartete Mängel wie zu Beispiel einem deutlich höheren Verschleiß als vorher angenommen worden war. Die niederländische Marine beschreibt zudem erhebliche Korrosionsschäden, nachdem die Hubschrauber über längere Zeit in maritimen Gebieten eingesetzt worden waren. Rotorblatt-Schlagen am Hauptrotorkopf sind auf defekte automatisch entriegelnden mechanischen Sperren zurückzuführen. Bei erhöhter Rotordrehzahl folgt im Normalfall die Entriegelung für eine ungehinderte Blattbewegung.

Längst bekannt waren die Mängel bezüglich einer sehr geringen Bodenfreiheit des Hubschraubers bei der Landung. Hindernisse über 16 cm Höhe beschädigen den Kabinenboden, deshalb ist eine Landung auf befestigten Grund vorzunehmen. Die elektrisch betriebene Laderampe ist zu schwach konstruiert, das Besteigen dieser Rampe durch mehrere Männer von Spezialeinheiten oder dem Beladen von Paletten führt zur Verformung der Rampe. Der Kabinenboden ist generell sehr druckempfindlich auf punktuelle Krafteinwirkung. Die Sitze der Piloten waren anfangs nicht ausreichend gegen Beschuss gesichert.

Nachbesserungen und Neuplanungen

Die nachträgliche Panzerung der Pilotensitze führte zu einer Auslagerung des zuvor integrierten Rettungs- und Überlebenssystem der Piloten in den Frachtraum mit entsprechender Reduzierung der Passagierzahl. Die Stühle in der Kabine tragen nur ein Gesamtgewicht von 110 Kilo. Ein Soldat mit Vollausrüstung bringt jedoch erheblich mehr an Gewicht auf die Waage. Ausrüstungsgegenstände wie zum Beispiel Panzerfäuste und auch das Gewehr müssen ungesichert auf den Kabinenboden gelegt werden, eine anderweitige Sicherung und Verzurrung ist nicht vorgesehen.

Probleme auch mit den bereits in der Leistung gesteigerten Triebwerken. Bei Ausfall eines von beiden Triebwerken wird ein gesicherter, längerer Weiterflug entsprechend dem Anforderungsprofil für den Rettungsflug über offenem Meer nicht uneingeschränkt gewährleistet. Im Einsatz in Afghanistan wurde in 300 Metern Höhe bei Ausfall eines Triebwerkes die integrierte Löscheinrichtung betätigt. Dabei kam es zu einem Kurzschluss. Instrumente verbaut im Dachhimmel des Cockpits fielen aus, die Anzeige von wichtigen Flug- und Navigationsanzeigen flackerten, der rechte Scheibenwischer und die Laderampe setzten sich in Bewegung.

Lösung der Probleme in der nächsten Bauserie

Empfehlung des Herstellers bis zur endgültigen Fehlerbehebung: Den Auslösemechanismus für die Triebwerk-Löscheinheit kürzer als eine Sekunde drücken. Zudem die Empfehlung seitens des Herstellers: Nach dem Abstellen der Triebwerke und der erneuten Startphase muss eine ausreichende Abkühlphase gewährleistet sein. Verformungen von Antriebswellen bedingt durch die Restwärme des Abgasstrahls sind möglich und bereits aufgetreten. Die Verunsicherung von Piloten entsprechend groß, ein technisch fehlerfreies Arbeitsgerät zu bedienen und zu fliegen.

Mit Stand Juni 2018 sind nun 350 Einheiten des Mehrzweckhubschraubers produziert. Aufgrund der zuvor beschriebenen Mängel ist aber nur ein Teil davon einsatzbereit. Seitens des Herstellers ist noch viel an Arbeit in der Nachbesserung zu leisten. Ab 2019 soll der NH-90 in Deutschland bei der Marine das veraltete Waffensystem *Sea King* ablösen unter der Bezeichnung *NH-90 Sea Lion*. Hoffentlich sorgt der Hubschrauber in seiner dortigen Aufgabenstellung im *SAR-Einsatz* für die Ost- und Nordsee für bessere Schlagzeilen.

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